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J.R.R.Tolkien: Der Herr der Zwiebelringe

In dem großen Roman von J.R.R. Tolkien „Der Herr der Ringe“ spielen auch das Essen – Elbenkost, Hobbitmahlzeiten und Orkfraß – sowie mehr oder weniger komfortable Übernachtungsgelegenheiten – in Höhlen, in Herbergen oder auch im Freien – eine gewisse Rolle.

 

Ein Fest im Auenland

Zu Beginn des Zyklus steht das große Fest des Hobbit Bilbo, der seinen hundertelften Geburtstag feiert – mit Geschenken für die Gäste, mit einen fantastischen Feuerwerk, Liedern, Tänzen, Musik, Spielen und natürlich mit einem ausgiebigen Festschmaus. Leider wird über die Speisenfolge nichts gesagt, wohl aber über die Dauer des Essens: „Es gab drei offizielle Mahlzeiten: Mittagsessen, Tee und Abendessen. Aber das Mittagessen und der Tee waren hauptsächlich dadurch gekennzeichnet, dass sich die Gäste zu diesen Zeiten hinsetzten und gemeinsam aßen. Zu anderen Zeiten sah man lediglich Scharen von Leuten trinken und essen – ohne Unterbrechung vom zweiten Frühstück um elf bis um halb sieben.“

 

An anderer Stelle wird Mahl so gekennzeichnet: „gehaltvoll, reichlich, mannigfaltig und ausgedehnt“. Sicherlich gab es auch Pilze, das Lieblingsgericht der Hobbits – wie später beim Bauern Maggot: „Es gab Bier in Mengen und ein gewaltiges Pilzgericht mit Schinken, und außerdem noch alle mögliche andere handfeste, bäuerliche Kost.“

 

Die Herberge in Bree

Das Gasthaus „Zum tänzelndes Pony“ in Bree wird genau beschrieben: „Es hatte eine Front zur Straße und zwei Flügel nach hinten, die in die niedrigen Hügel des Berges hineingebaut waren, so dass die rückwärtigen Fenster im zweiten Stock zu ebener Erde lagen. Ein breiter Torbogen führte zu einem Hof, der zwischen den beiden Flügeln lag, und links unter dem Torbogen war der Hauseingang, den man über ein paar Stufen erreichte. Die Tür stand offen, und Licht strömte heraus.“ Der Wirt trägt den schönen Namen Gerstenmann Butterblume. Als Abendessen gab es für die Helden der Geschichte „heiße Suppe, kaltes Fleisch, eine Brombeertorte, frisches Brot und Butter und einen halben, reifen Käse“ – also ein Essen „wie zu Hause“.

 

Am Lagerfeuer

Wie wichtig das Essen im „Herrn der Ringe“ ist, sieht man schon daran, dass  ein eigenes Kapital die Überschrift „Kräuter und Kaninchenpfeffer“ trägt. Darin wird – unter anderem – geschildert, wie Sam – ein richtiger „Herr der Zwiebelringe“ – für den Hobbit Frodo und sich praktisch aus dem Nichts ein stärkendes Mahl zaubert. Was er dazu brauchte, führte er mit: „eine kleine Zunderbüchse, zwei kleine, flache Kochtöpfe von denen der kleiner in den größeren passte, darinnen lagen kleine, flache Kochlöffel, eine kurze, zweizinkige Gabel und ein paar Fleischspieße“. Dazu kam als ein „dahinschwindender Schatz“ eine flache Holzschachtel mit Salz. Aus einen frisch gefangenen Kaninchen und einigen eilig gesammelten Kräutern entsteht eine kräftige Brühe mit Fleisch – Kaninchenpfeffer eben.

 

Das erste Tolkien-Menü:

Aus all dem ließe sich ein treffliches Menü für Tolkien-Freunde bereiten: Vorweg eine heißt Ochsenschwanzsuppe à la Bree, dann eine Platte mit kaltem Aufschnitt nach Art von Butterblume Gerstenmann, als Hauptgericht Kaninchenpfeffer à la Sam, eine Käseplatte Bilbo und zum Nachtisch eine Brombeertorte Auenland. Und dazu gibt dann nach Hobbit-Art einen gutem Humpen Bier. Zum Wohl!

 

 

J.R.R.Tolkien: Der kleine Hunger

Freunde des Buches „Der kleine Hobbit“ werden in der Filmfassung viel vom Charme der Vorlage vermissen. Grund genug also, einmal in diesem eigentlich für Jugendliche geschriebenen Werk von John Ronald R. Tolkien auf Litera-Tour zu gehen.

 

Kuchenstücke gegen die Aufregung

Hobbits – das mag dem einen oder anderen ja noch aus dem „Herrn der Ringe“ bekannt sein, legen großen Wert auf reichhaltige und regelmäßige Mahlzeiten, schieben nach dem Frühstück und vor dem Mittagessen gern ein zweites Frühstück ein und lieben es gar nicht, wenn das Abendbrot einmal – oder gar mehrmals – ausfällt. Natürlich ist auch Bilbo Beutlin von diesem Schlag. Nach dem ersten, etwas verstörenden Besuch des Zauberers Gandalf bei ihm holt er sich Trost bei einer Mahlzeit: „Zwar hatte er gerade erst gefrühstückt, aber er dachte, dass ein oder zwei Kuchenstücke und ein Schluck dazu ihm guttäten nach diesem Schrecken.“ Ein Plan, der zunächst funktioniert, doch schon zur Teezeit am nächsten Tag wird Bilbo durch die 14 Zwerge mit Thorin an der Spitze endgültig aufgescheucht und in ein großes Abenteuer getrieben.

 

Zwergengelage mit Bier, Brötchen und Braten

Zunächst gibt es ein richtiges Zwergengelage: „Die einen riefen nach Bier, andere nach Porter, einer nach Kaffee und alle nach Kuchen.“ Dann wird Kaffee getrunken, mit Butter bestrichene Weizenbrötchen gegessen, und dazu werden Himbeermarmelade und Apfeltörtchen, Rosinenkuchen und Käse, Pasteten und Salat, Eier, kaltes Hühnchen, Essiggurken und immer wieder Kuchen verlangt. Bilbo sieht seine gesamte Speisekammer geplündert. Und schließlich kündigen die Zwerge auch noch an, zum Frühstück bleiben zu wollen, und Thorin bestellt gleich einmal: „Ich habe sechs Eier mit Schinken gern, wenn ich eine Reise beginne – aber fein gebraten, keine gerührten Eier! Und lass sie bloß nicht auslaufen!“

 

Nach diesem Schmaus, auf der abenteuerlichen Tour zum Hort des Drachens Smaug nämlich, wird die Kost für Hobbit und Zwerge karger. Da ist das Hammelfleisch der Trolle zu Beginn des Weges noch richtiggehend opulent, später sind es oft genug nur Träume, in denen die Gefährten richtig gutes Essen sehen. „Wie schön könnte ich jetzt zu Hause Eier und Schinken in meiner Küche essen!“, seufzt Bilbo gern, wenn er wieder einmal in eine scheinbar ausweglose Situation gerät.

 

Und selbst unter den Nebelbergen, beim Rätselwettkampf mit Gollum, kommt dem Hobbit Essbares in den Sinn: „Der Schrein ohne Deckel, Schlüssel, Scharnier / birgt einen goldenen Schatz, glaub es mir!“ Im letzten Augenblick kommt Gollum auf die richtige Antwort: „Eier sind’s!“, zischte er.

 

Kaltes Hammelfleisch und Kaninchen

Eine typische Reisemahlzeit wird so beschrieben: „Zum Frühstück gab es weder Tee noch geröstete Brotscheiben, noch gebratenen Speck, es gab nichts als kaltes Hammelfleisch und Kaninchen.“ Und auch in der Königshöhle der Elben bekommen die gefangenen Zwerge nichts als Brot, Fleisch und Wasser – das aber reichlich, denn die Elben sorgen für ihre Gefangenen. Bilbo, der ungesehen durch die Höhle streift, muss sich etwas Essbares aus der Vorratskammer oder von Tischen stehlen, wenn gerade einmal niemand anwesend ist. Sicher kein kleiner Hunger, den der kleine Hobbit da hat.

Nach vielen Abenteuern freut sich Bilbo darauf, endlich wieder im Auenland in seinem „gemütlichen Armsessel“ sitzen zu können, doch zuvor muss er seine Wohnhöhle und seinen Besitz erst noch vor seiner Verwandtschaft retten, die ihn für tot hat erklären lassen.

 

Das zweite Tolkien-Menü:

Bei diesem zweiten Hobbit-Menü werden zunächst einmal Weizenbrötchen mit Butter gereicht, dann folgt ein Spiegelei auf Speck. Das Hauptgericht: Pasteten mit Hühnchenfleisch und Salat. Und zum Nachtisch gibt es natürlich ein Apfeltörtchen. Als Getränk dazu passen Wein und Bier – und zum Abschluss wird ein schöner Kaffee eingeschenkt.                                                  Manfred Kellner                      

 

 

 

 

 

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