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Siegfried Lenz: Kochstunde

Als realistischer Schriftsteller schildert Siegfried Lenz natürlich auch die Freuden des Essens und des Trinkens – ob nun in humorvollen Kurzgeschichten oder in langen Romanen mit ernsten Aussagen. Ein Höhepunkt dabei: die Geschichte über die jütländische Kaffeetafel, die eigentlich jeder einmal gelesen haben sollte. Gehen wir also auf Lenz'sche Litera-Tour.

 

Gelage in Masuren

 

Geradezu übervoll mit kulinarischen Passagen ist die frühe Sammlung „So zärtlich war Suleyken“. Hier greift Lenz hinein in das volle masurische Leben, schildert große Mahlzeiten, Trinkgelage und daraus resultierende Wirtshausschlägereien. Das Begräbnis vom „Tantchen Arafa“ etwa wird mit einem gewaltigen Essen begangen – der Ich-Erzähler berichtet, dass er „obzwar jung und unmündig“ folgendes verzehrte: „acht Spiegeleier mit fettem Speck, fünf Klopse, etwas vom Hasen, einen Entenhals, einen Teller Blutsauer mit Gekröse vom Huhn, einen Teller Fleck, ein halbes Schweineohr und einige Bratäpfel“. Und auch in den anderen Geschichten dieses Buches wird geschmaust und getrunken was das Zeug hält.

 

Großvater Hamilkar Schass setzt anlässlich einer großen Debatte mit dem Nachbarort, bei der es um die Besitzverhältnisse einer Wiese geht, sozusagen auf Brain-Food und zieht im Garten des Häuschens, das ihm für die Dauer den Konferenz zugewiesen wurde, „Zwiebelchen zur Beflügelung des Geistes“. Als die Gegenpartei entsetzt sieht, dass Schass schon die Zwiebeln fürs Folgejahr anbaut, ist die Konferenz gewonnen.

 

Kuchenplatten auf den Lande

 

Natürlich wird auch in der „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz gegessen und getrunken. Beispielsweise gleich zu Beginn, wo eine ländliche Geburtstagsfeier geschildert wird. Als „rühmenswert“ werden die „neun vorgeschriebenen Gebäcksorten“ bezeichnet, „die in festgelegter Folge herumgereicht werden müssen“. Dazu stehen „Näpfe voller Würfelzucker“ auf dem Tisch; die Stücke tunkt man in den Kaffee, bevor man sie zerkaut. Und natürlich gibt es Schüsseln mit geschlagener Sahne, „die man sich auf den Kaffee kleckst, nachdem man zuvor klaren Schnaps dazugegossen hat“ – also eine Art Pharisäer.

 

Schnaps im Fundbüro

 

Im Roman „Fundbüro“ von Siegfried Lenz geht es um verschiedenerlei Verluste. Doch den Appetit hat niemand verloren in diesem Buch. So finden die Hauptfigur Henry und seine Kollegin zum ersten Mal bei einem Muschel-Gericht ein wenig zusammen: „Beide hatten keine Mühe, das Muschelfleisch mit einer Schalenhälfte zu lösen; Henry kaute versonnen, kaute nachdenkend, als wolle er dem geheimsten Ge-schmack der Muschel auf den Grund kommen“.

Etwas „Belebung“ findet ein anderer Kollege im Fundbüro in gut versteckten Flaschen: Er „langte mit einer Hand tief in einen Stapel zusammengelegter Reiseplaids und zog eine Flasche heraus. Dann öffnet er wie selbstverständlich einen Picknick-Korb und nahm zwei Gläser heraus“. Die Flasche Weinbrand ist übrigens keine Fundsache, sondern das Geschenk einer dankbaren Kundin.

 

Als etwas Besonderes, ja vielleicht auch als etwas Exotische empfindet die Mutter Henrys die Art, wie sein neuer Freund aus Russland seinen Tee trinkt: mit ein wenig Butter darin nämlich. Ihr Urteil: „Trinkbar, schmeckt etwas fremdartig, lässt sich aber trinken.“

 

Festmahl an der Hochschule

 

Der kulinarische Höhepunkt des Buches findet statt anlässlich einer Veranstaltung an der Hochschule, zu der Henry eingeladen ist: „In einer Doppelreihe boten sich mächtige Schüsseln mit Salaten an, Schüsseln mit Kartoffel- und Heringssalat, einheimischer Wurstsalat selbstverständlich, aber auch Gurken-,  Bohnen- und Fleischsalate und ein von kränkelnder Blässe gezeichneter Nudelsalat. Geschnittenes Brot türmte sich zwischen den Schüsseln, exakt vermessene Käsewürfel wollten aufgespießt werden, aber auch ein paar gekochte Eier waren zu finden und Schinkenröllchen und zwei angeschnittene Dauerwürste von einem Umfang, der auf eine Sonderanfertigung schließen ließ.“

 

Das Lenz-Menü

 

Ein Lenz-Menü ist schnell komponiert: Als Vorsuppe könnte es eine Muschelsuppe geben, gefolgt von einer Komposition aus einheimischen Salaten. Als Hauptgericht wird ein Wildgulasch masurischer Art, als Nachtisch eine große Gebäckplatte wie in Jütland serviert – und natürlich eine Tasse mit starkem Kaffee und einem Schnaps sowie süßer Schlagsahne obendrauf.

 

Manfred Kellner


Donna Leon: Kochen und Braten mit Commissario Brunetti

 

Die Venedig-Krimis von Donna Leon sind inzwischen schon kein Geheimtipp mehr, sondern Bestseller. Eine regelrechte Fangemeinde wartet auf den jeweils neuesten Band ungeduldig. Der Held, Commissario Brunetti, ist ein Freund guten Essens und guter Getränke – gehen wir also einmal mit ihm und mit Donna Leon in der Stadt am Lido auf Litera-Tour!

 

Regelmäßige Mahlzeiten

 

Nicht immer kann Commissario Brunetti so essen, wie er es gern mag. Sein Beruf führt ihn immer wieder in Bars und Kaffees, und nicht immer entspricht das Angebot seinen Anforde-rungen. So während eines zehnten Falls („Das Gesetz der Lagune“), in dem er in einer Bar ein Toastbrot isst – „mit einer Scheibe Schinken, die nach gar nichts schmeckte, und einer Scheibe Käse, die allen Anschein nach den längsten Teil ihres Lebens in Plastikfolie verbracht hatte“. Der Prosecco, den es dazu gab, „schmeckte bitter und abgestanden; sogar der Kaffee war schlecht“. Doch essen muss Brunetti regelmäßig: „Er aß unterwegs nur ein Sandwich und trank ein Bier dazu“, heißt es im „Venezianischen Finale“, „nicht weil er richtig Hunger hatte, sondern um das vage Unwohlsein loszuwerden, das ihn immer überkam, wenn er längere Zeit nichts gegessen hatte.“

 

Paolas Kochkunst

 

Wohl auch deshalb genießt Brunetti die Kochkünste seiner Frau Paola – so zum Beispiel im „Gesetz der Lagune“, in der das Essen eine noch größere Bedeutung hat als in den anderen Bänden. Geschildert wird etwa eine Mahlzeit bei Brunettis daheim: Zunächst gibt es ein Glas Cabernet, dann Lasagne, als Hauptgericht Rindergulasch mit Paprikagemüse, und als Nachtisch ein Stück Kuchen. Ein Stück Kuchen? Nein: Paolas berühmten Apfelkuchen, „der so mit Limonen- und Orangensaft und reichlich mit Grand Marnier durchtränkt war, dass der Gesamtgeschmack für alle Zeiten auf der Zunge verweilte.“ Das Ganze beschließen Brunetti und seine Frau mit einem Glas Calvados.

 

Eessen in Restaurants

 

Doch es finden sich auch Restaurants, in denen sich gut essen lässt – zum Beispiel in „Vendetta“. Die Speisenfolge: Prosecco, Fettuccine mit Trüffel,  Ente, dazu ein Merlot del Piave. Die Vorspeise beschreibt Donna Leon so: „Waldgeruch stiegt von den noch dampfenden Fettuccine auf und hüllte nicht nur die drei Männer ein, sondern ihre ganze Umgebung. Brunetti wickelte die ersten Fettuccine auf seine Gabel und begann zu essen, genoss in vollen Zügen die perfekt gekochten Bandnudeln in Butter und den würzigen, berauschenden Geschmack der Trüffel.“

 

In diesem Restaurant hatten die Gäste offenbar noch die Wahl, was sie essen wollten, doch bei Signora Antonia ist das anders: Dort bestimmt die Wirtin, was die Gäste zu essen haben wollen:
Im „Venezianischen Finale“ entschied sie schnell, „dass sie den Antipasto di mare essen wollten, dann den Risotto mit Scampi und den gegrillten Seebarsch.“ Brunettis Gast fragt Signora Antonia, „ob er vielleicht, wenn die Signora es für angeraten hielt, noch einen grünen Salat haben könne. Sie widmete seinem Wunsch die gebührende Aufmerksamkeit, erklärte ihn für gerechtfertigt, meinte dann, eine Flasche des weißen Hausweins sei das richtige dazu, und ging sie holen.“

 

Picknick mit einem Verdächtigten

 

Doch auch ein Picknick kann bei Donna Leon zu einem kulinarischen Höhepunkt werden – wie im „Gesetz der Lagune“, in der sich eine Mitarbeiterin von Brunetti mit einem Verdächtigen trifft – in einer Höhle am Strand: „Dann saßen sie im Schneidersitz auf dem Sandteppich und ließen es sich munden.“ Es gab „opulente Schinkenbrote mit dick Butter auf beiden Scheiben“, eine gekühlte Flasche Chardonnay, Erdbeeren, die einzeln in Mascarpone getunkt wurden.

 

Das Leon-Menü

 

Wie könnte ein ausführliches Menü à la Brunetti aussehen? Hier ein Beispiel, das die vielen Fischgerichte ausklammert, die bei Donna Leon und in Venedig eine große Rolle spielen: Zunächst einmal wird ein Prosecco gereicht, dann als Vorspeise Lasagne. Als Hauptgericht gibt es Ente, dazu einen Merlot del Piave. Das Dessert: Erdbeeren in Mascarpone. Und vor dem obligatorischen Kaffee wird ein Calvados getrunken.                                             

Manfred Kellner

 

 

 

Astrid Lindgren: Was hatte Michel in der Suppenschüssel?

 

In den Werken der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren wird gern gegessen und getrunken. Machen wir uns also einmal auf eine Litera-Tour nach Bullerbü und Lönneberga – um nur zwei Ziele zu nennen.

 

Eher frugal geht es bei den „Kindern aus Bullerbü“ zu, hier haben alle ihre Freude an einfachen Speisen und Getränken: eine Kanne Saft, die die Kinder mitgekommen zum Rübenverziehen und die sie wieder mit Quellwasser auffüllen, weil sie sie mit ihren Strohhalmen viel zu schnell ausgetrunken haben; Waffeln, gebacken in einem Waffeleisen, das ins offene Feuer gehalten wurde; Kaffee aus einem Kessel, der auf einen Dreifuß in der Glut stand. Und dann gab es noch diese Köstlichkeit: Walderdbeeren. Lisa berichtet: „Wir pflückten die Walderdbeeren und zogen sie auf dünne Halme. Es wurden dreizehn Halme. Am Abend aßen wir sie mit Zucker und Sahne.“

 

Pfannkuchen bei Pippi

 

Bei „Pippi Langstrumpf“ gibt es ebenfalls immer etwas Gutes. Pfannkuchen etwa: „Und nun holte sie drei Eier und warf sie in die Luft. Eins fiel ihr auf den Kopf, so dass ihr das Eigelb in die Augen lief. Aber die anderen fing sie geschickt in einem Topf auf, und dort gingen sie dann kaputt.“ Die Schalen fischt sie dann mit einer Badebürste heraus. Ähnlich turbulent geht es weiter: „Als der Pfannkuchen auf der einen Seite gebacken war, warf sie ihn noch, so dass er sich in der Luft umdrehte, und fing ihn dann wieder mit der Pfanne auf. Und als er fertig war, warf sie ihn quer durch die Küche direkt auf einen Teller, der auf dem Tisch stand.“

 

Zwei Einbrecher bewirtet Pippi mit „Brot und Käse und Butter und Schinken und kaltem Braten und Milch“. Sie aßen, „bis sie beinahe viereckig waren“. Und natürlich gibt es ganz oft Kakao zu trinken bei Pippi Langstrumpf – wenn sie sich anschließend auch immer die Tasse als Hut auf den Kopf setzt.

 

Michels Rindfleischsuppe

 

Bei Michel als Lönneberga gab’s Suppe – und weil der Junge den letzten Rest tief aus der Suppenschüssel schlürfte, blieb er mit dem Kopf darin hängen – und gab so einem wunderschönen Kinderbuch den Namen: „Michel in der Suppenschüssel“. Rindfleischsuppe war es übrigens.

 

Unvergessen die Mahlzeit, mit der Michel eines Weihnachten die Bewohner eines Armenhauses bewirtet. Auf den Tisch standen „eine Schüssel mit Blutklößen, eine Schüssel mit Schweinswürsten, eine Schüssel mit Sülze, eine Schüssel mit Leberpastete, eine Schüssel mit Knackwürsten, eine Schüssel mit Fleischklößen, eine Schüssel mit Kalbskoteletts, eine Schüssel mit gepökelten Schweinrippchen, eine Schüssel mit kalter Bratwurst, eine Schüssel mit frischer Le-berwurst, eine Schüssel mit Heringssalat, eine Schüssel mit Rauchfleisch, eine Schüssel mit leicht gesalzener Ochsenzunge, eine Schüssel mit Rosinengrützwurst, eine Platte mit dem großen Weihnachtsschinken, eine Platte mit dem großen Weihnachtskäse, eine Korb mit Weißbrot, eine Schüssel mit Sirupbrot, ein Korb mit feinem Roggenbrot, eine Kanne Fruchtsaft, eine Kanne Milch, eine Schüssel mit Buchweizengrütze, eine Platte mit Käsekuchen, eine Schale mit Backpflaumen, eine Platte mit Apfelkuchen, eine Schüssel mit Schlagsahne, eine Schale mit Erdbeerkompott, eine Schale mit Ingwerbirnen und ein kleines, um ganzen gebratenes Spanferkel, mit weißem Kandiszucker garniert.“  

 

Karlsson und das Kuddelmuddel

 

Auch bei „Karlsson vom Dach“ dreht es sich immer wieder ums Essen – vorzugsweise um Zimtwecken und Fleischklöße. Ein Höhepunkt aber ist „Hildur Bocks gutes Kuddelmuddel“ – ein scharfes Curry-Gericht, so herzhaft, dass Karlsson zur Wut der Köchin vermutet, es enthalte „Fuchsgift“.

 

Das Lindgren-Menü

 

Genug Zutaten also bei Astrid Lindgren für ein tolles Kindergeburtstags-Menü. Das könnte so aussehen: Als Vorspeise gibt’s Karlssons Zimtwecken mit einen Glas Milch, einen Teller (keine Schüssel!) Rindfleischsuppe auf Michels Art, dann einen Pfannkuchen à la Pippi, als Hauptgericht Hildur Bocks gutes Kuddelmuddel mit einer großen Kanne Fruchtsaft für jeden, und schließlich zum Nachtisch Walderdbeeren „Bullerbü“ mit Zucker und Sahne. Und wer dann noch etwas mag, bekommt einen großen Becher Kakao.                                        Manfred Kellner

 

 

Mit Hermann Löns: Deftige Mahlzeiten in Heide-Schänken

 

Die Lüneburger Heide - klingt das nicht schon so recht nach Hermann Löns? So recht, dass man bei einer "Litera-Tour durch Herbergen und Schänken" gar nicht an dem Heidedichter vorbeikommt? Denn natürlich findet sich auch bei Läns einiges übers Essen, Trinken und Nächtigen.

 

Die Speisekarte von Mümmelmann

 

Da sind zunächst einmal die Jäger, die mit einen "Ränzlein" bepackt auf die Jagd gehen - "strotzend von braunen, grünen, roten und gelben Hülsen, enthaltend das scharfe Pulver, ferner eine Flasche, bergend das nicht minder scharfe Zielwasser, und diverse Pakete, worin die kurzgehackten sterblichen Überreste toter Schweine und Kühe waren". Keine sonderlichen Feinschmecker also, die dem "Mümmelmann" zu Leibe rücken wollen. Der lebt offenbar anspruchsvoller - zumindest schildert Löns uns die Speisekarte des Hasen bedeutend liebevoller: Von "reichlich geäster Roggensaat" berichtet er uns, von der "Rinde junger Apfelbäume" und von "vorjährigen Brommelbeerblättern".

 

Kaffee und Honigbrot

 

Besonders komfortabel war es nicht in den Unterkünften, über die Hermann Löns schreibt. Von "Buden" ist da die Rede und von Pritschen, auf denen man recht und schlecht schläft; von einem "einsamen Ochsenstall", wo man "die kurze Nacht im Schlafsack verbrachte. Der Wanderer ist nach langen Stunden Einsamkeit in der Heide froh, wenn er ein strohgedecktes Haus findet, dessen "ernsten, aber freundlichen Leute" ihm nicht den Trunk Wasser geben, um den er bat, sondern "Kaffee und Honigbrot, ohne dass er dafür zahlen durfte".

 

"Heet und Söt"

 

Aber natürlich gibt es auch Gastwirtschaften. Im Schneesturm erreicht Löns eine solche Wirtschaft, klopft sich den Schnee ab und setzt zu den anderen Gästen an den Herd. Löns bestellt "Heet und Söt" - Heiß und Süß also - und beschreibt die Prozedur der Herstellung dieses Getränks so: "Die Haustochter langte einen Zinnkrug von der Wand, zapfte ihn voll Dünnbier und stellte ihn an die glimmenden Torfe zu meinen Füßen. Nach einer Weile, als das Bier fast heiß war, warf sie eine Handvoll Stückzucker in ein Glas, goss aus meinem Kruge heißes Bier darüber und wieder zurück und tat das so lange, bis der Zucker aufgelöst war. Dann kredenzte sie mir mit einem freundliche Worte das Glas und stellte den Krug wieder neben das Feuer."

 

Heringe am Torffeuer

 

Das Getränk macht offenbar hungrig - denn Löns schildert als nächstes, wie er sich in der Gaststube ein paar Heringe selbst zubereitet: Ein paar Dutzend davon hängen nämlich "in Reih und Glied" angeräuchert unter dem Schornsteinkleide. "Ich riss zwei davon, die sich schon trocken genug anfühlten, ab, lange mir die Heringspfanne von der Feuerwand, legte die Fische darauf und hielt sie so dicht über den brennenden Torf, dass die Flammen um sie herumschlugen. Sie knisterten erst, dann prasselten sie, und fortwährend tropfte ihr Fett in das Feuer, das dann jedesmal mit roten Zungen an dem Kesselhaken entlang leckte. Als die Bäuche auseinanderklafften, sagte ich: 'Es wird ihnen zu heiß; sie knüpfen all den Rock auf.' Die Bauern lachten und sahen zu, wie ich nach der Väter Weise die Heringe aus der Hand aß und die fettigen Finger an den Schneestrümpfen abwischte."

 

Da redet alle Welt von "Bismarck-Heringen" - aber mit "Löns-Heringen" könnten die Gasthöfe der Heide kulinarische Furore machen: Am offenen Kamin in der Pfanne gebraten bis sie den Rock aufknüpfen und dann aus der Hand gegessen - wäre das nicht ein gastronomischer Event der besonderen Art? Anstelle der Schneestrümpfe sollten aber doch wohl besser Servietten gereicht werden - als Zugeständnis an die geänderte Mode und an die geänderten Ansprüche in Bezug auf Sauberkeit und Hygiene.                                            

Das Löns-Menü

 

Diese Heringe könnten dann auch im Mittelpunkt eines Löns-Menüs stehen. Vor ihnen gibt es als flüssige Vorspeise ein gutes Glas "Heet und Söt" - und als Nachtisch gibt es ein kräftiges Heidebrot mit Heidehonig.      

 

Manfred Kellner

 

 

 

 

 

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