fachWORTstatt
fachWORTstatt

Ian Fleming: Liebesgrüße aus der Küche

Während immer wieder neue Bond-Filme in den Kinos Furore machen, zeigt ein Blick in die 007-Romane von Ian Fleming, dass der britische Top-Agent mit der Lizenz zum Töten nicht nur auf „Martini dry“ steht, sondern darüber hinaus einige spezielle Vorlieben in Sachen Essen und Trinken aufweist. Grund genug also für eine Litera-Tour mit James Bond – nach dem Motto: Liebesgrüße aus der Küche – oder Man kocht nur zweimal.


Martini á la Bond
„Geschüttelt, nicht gerührt!“ ist ohne Zweifel die bekannteste Rezeptanweisung Bonds - sowohl in den Büchern als auch in den Filmen. Dabei geht es um das Mixen eines trockenen Martinis. In Ian Flemings ersten James-Bond-Roman „Casino Royal“ ordert Agent 007 den klassischen Cocktail „Martini dry“ mit diesen Worten: "In einem tiefen Champagnerglas müssen drei Teile Gordons, ein Teil Wodka und ein halber Teil Kina Lillet gegeben werden.“ Und dann „schütteln Sie das Ganze, bis es eiskalt ist und garnieren Sie es mit einer großen, dünnen Scheibe Zitronenschale!“


Als dieser Roman geschrieben wurde, rührte man den Martini-Cocktail üblicherweise in einem Glas zusammen – allerdings nur aus Gin und Wermut. Da bei Bond Wodka hinzukommt, ist eine niedrigere Temperatur notwendig, damit das Getränk schmeckt – und die erreicht man durch das Schütteln besser als durch Rühren.


Keinen Rotwein zu Fisch!

 

Im Buch „Casino Royal“ betont Bond, dass er ziemlich eigen ist in Bezug auf seine Essgewohnheiten – eine Folge seines Junggesellendaseins, aber auch seines Berufs, der ihn ständig auf Details achten lässt. So ist es kein Wunder, dass der Agent in „Im Angesicht des Todes“ auf einen gedungenen Mörder aufmerksam wird, weil der ungebildete Bösewicht Rotwein zu seinem Fisch bestellt.


In „Casino Royal“ werden eine Reihe weiterer Ess- und Trinkgewohnheiten des Agenten verraten: So hasst Bond Tee („eine Tasse voll Schlamm“), weil er ihn an den Fall des Britischen Empires erinnert, so wünscht er in London zu seinem Frühstück stets ein Ei, das genau 3 ½ Minuten gekocht hat, so liebt er gegrillte Seezunge, Oeufs cocotte und Roastbeef mit Kartoffel-salat.


Lieblingsgericht: Rührei


Das beste Gericht seines Lebens bekam James Bond in „Goldfinger“, wo er Krebse in zerlassener Butter schmaust und dazu Champagner trinkt – Goldfingerfood sozusagen. Das Lieblingsgericht des Agenten aber ist – Rührei. In der Kurzgeschichte „007 in New York“ verrät Fleming das Rezept - „für vier Individualisten“. Da heißt es: „12 Eier aufschlagen und in eine Schüssel geben. Sorgfältig mit einer Gabel verschlagen und gut mit Salz und Pfeffer würzen. In einer kleinen Pfanne Butter schmelzen, die Eiermasse hinzugeben, bei sehr geringer Hitze braten und dabei ständig rühren. Wenn das Rührei noch ein wenig weicher ist, als man es zum Essen wünscht, nimmt man es für eine halbe Minute vom Feuer und gibt gehackten Schnittlauch oder feine Kräuter hinzu. Auf einen heißen, gebutterten Toast servieren – auf kupfernen Tellern, mit rosa Champagner und leiser Musik.“

 

Das Fleming-Menü

 

Wer also beim Schauen einer Bond-DVD oder beim Lesen eines 007-Buchs adäquat tafeln möchte, sollte mit einem Martini beginnen, als Vorspeise ein wenig Roastbeef mit Kartoffelsalat zu sich nehmen und dann als Höhepunkt Rührei auf Toast essen. Keine besonders raffinierte Küche, aber vielleicht macht der Champagner, den man dazu trinken sollte, ja alles wieder gut... 

 

Manfred Kellner

 

 

Theodor Fontane: Picknick, Festmenü und Trinkgelage

 

Theodor Fontane (1819 - 1898) schildert gern - ganz nebenbei - Mahlzeiten seines Romanpersonals, aber auch Lokale oder Imbisse im Freien. Da wird Kaffee getrunken, Sherry und Portwein, da gibt’s Gebäck und Desserts, und oft genug ist die Tafel ein trefflicher Anlass, über Absichten oder Beweggründe der handelnden Personen zu philosophieren. Hier drei Beispiele aus dem epischen Werk des Dichters.  

 

Picknick mit Effi

 

Ein Picknick am Ostsee-Strand schildert uns Fontane in „Effi Briest“: Die Titelheldin macht mit dem verhängnisvollen Major Crampas einen Ausflug ans Meer, wo vom treuen Diener Kruse ein Imbiss serviert wird. Und zwar ganz gemütlich „auf einer Bank im Schutze der Dünen“, mit „einem äußerst primitiven Tisch davor - zwei Pfosten mit einem Brett darüber“. Und was gab es? „Teebrötchen und Aufschnitt vom kalten Braten, dazu Rotwein und neben der Flasche zwei hübsche, zierliche Trinkgläser, klein und mit Goldrand“. Angeregt unterhält man sich - und Crampas steckt als Erinnerung an dieses Picknick eines der Goldrandgläser ein - was die junge Frau höchstlich missbilligt, da es Anlass zu Missdeutungen geben könnte.

 

Hammel beim Kommerzienrat

 

In „Frau Jenny Treibel“ schildert Fontane ein Festmenü, zu dem die Kommerzienrätin Treibel geladen hat. Zwar wird näher auf die Tischdekoration eingegangen („statt der üblichen Riesenvase mit Flieder und Goldregen ein kleines Blumenparkett“), doch über die Speisenfolge lässt uns der Dichter im Unklaren. Lediglich aus dem Toast des Gastgebers gehen Hauptgericht und Nachspeise hervor: „Ich bin“, so Treibel, „an dem Hammelrücken vorübergegangen und habe diese verhältnismäß späte Stunde für einen meinerseits auszubringenden Toast herankommen lassen - eine Neuerung, die mich in diesem Augenblick allerdings vor die Frage stellt, ob der Schmelzezustand eines rot und weißen Panache nicht noch etwas Vermeidenswerteres ist, als der Hammelrücken im Zustande der Erstarrung ...“ Kurz müsse der Toast deshalb ausfallen, und so trinkt Treibel dann schnell und schlicht auf „Heer und Flotte“.

 

Bowle in Berlin

 

Aufwendiger geht es in der Gastwirtschaft von „Sala Tarone“ zu, die der Dichter im „Schach von Wuthenow“ beschreibt. Hier wird uns so ganz nebenbei die Rezeptur einer Maibowle verraten, wie sie im Berlin Fontanes zubereitet wurde. „Das mindeste“, so erklärt der Verleger Sander, der mit einer Reihe von Freunden und Bekannten bei Tarone einkehrt, „was ich von einem solchen hundstäglichen April erwarten kann, sind Maikräuter. Von dem Vorhandensein frischer Apelsinen haben wir uns überzeugt, und für den Mosel bürgt die Firma.“ Maibowle also, wissen die anderen - und Sander kann es nicht lassen, die Bedienung über die rechte Zubereitung aufzuklären: „Die Tonkabohne“, so belehrt er zunächst, „gehört in die Schnupftabakdose, nicht in die Maibowle.“ Sander dann ultimativ: „Also Maikräuter. Und nicht lange ziehen lassen, Waldmeister ist kein Kamillentee. Und Mosel, sagen wir ein Zeltinger oder ein Brauneberger, wird langsam über die Büschel gegossen; das genügt. Apfelsinenschnitten als bloßes Ornament. Eine Scheibe zuviel macht Kopfweh. Und nicht zu süß - und eine Cliquot extra. Extra, sag’ ich. Besser ist besser.“ Eine Bestellung, die zur Zufriedenheit aller ausgeführt wird - die Bowle wird serviert, mit zwei oder drei Waldmeisterblättchen, die auf ihr schwimmen: „Gerade genug, um den Beweis der Echtheit zu führen.“ Sander lobt: „Das gefällt wir. Auf mancher Maibowle schwimmt es wie Entengrütze. Und das ist schrecklich.“

 

Das Fontane-Menü

 

Als Vorspeise bei einem Fonate-Menü könnte des Teebrötchen à la Briest geben und Aufschnitt vom kalten Braten nach Art des Major Crampas. Dsa Hauptgericht bildet ein prächtiger Hammelbraten à la Treibel, und als Dessert wird ein Panasché gereicht - gemischtes Eis also. 

                                                                                                                                              Manfred Kellner

 

 

 

C.S. Forester: Mit Kapitän Hornblower auf Gourmet-Kurs

 

Immer wieder geht es in den Hornblower-Romanen von C. S. Forester auch ums Essen und Trinken. Für die Mannschaften auf den britischen Segelschiffen gibt’s nichts Wichtigeres, und die Kommandanten zerbrechen sich die Köpfe, wo sie am besten frisches Wasser und Frischfleisch herbekommen können. Gehen wir also einem mit Kapitän Horation Hornblower auf Litera-Tour!

 

Nein, von den wenig appetitlichen Bewohnern des Hartbrotes wollen wir hier nicht sprechen, auch nicht von der Art und Weise, wie sie hervorgelockt werden. Das hat immerhin schon Zar Alexander fast den Appetit verschlagen, als Hornblower ihn an Bord seines Schiffes zu Gast hatte. Doch anderen Speisen sprach der Zar gern zu – zum Beispiel der Erbsensuppe, dem gepökelten Rindfleisch, der gepökelten Ochsenzunge und dem gepökelten Schweinfleisch. Dazu gab es eingelegten Kohl. Dann wurde Rum serviert. „Das Blut in den Adern unserer Flotte, Sir!“ pries Hornblower ihn an – und beim Gefolge des Zaren stieß das harte Getränk auf begeisterte Zustimmung.

 

Kapitän auf Gourmet-Kurs

 

Der Kapitän selbst entdeckte während seines Russland-Aufenthalts den „Zusammenklang“ von Wodka und Kaviar und geht auf Gourmet-Kurs: „Wie köstlich Wodka und Kaviar einander ergänzen!“ schwärmt er. „Diese Paar reiht sich würdig all den anderen Zusammenstellungen an, die uns von den Pionieren des Feinschmeckertums geschenkt worden sind, wie Spiegeleier mit Speck, Rebhuhn mit Burgunder, Spinat mit Schinken ...“

 

Eine Art kulinarischer Niederlage erlebte Hornblower am Zarenhof. In Unkenntnis der Etikette aß er schon von den Vorspeisen so viel, dass er völlig gesättigt war, als man die Türen zum Essensaal öffnete und ihn zu Tisch führte. Das folgende, reichhaltige Bankett wurde für den Seemann zu einer echten Tortur, die er wahrscheinlich nur dank des Wodkas überstanden hat.

 

Hartbrot als Delikatesse

 

Doch nicht immer kann man in der britischen Marine so schwelgen. Oft genug ist Schmalhans Küchenmeister – wenn zum Beispiel das Wasser knapp wird auf den langen Törns. Hartbrot und Kaffee aus gerösteten Brotkrumen wird da schon zur Delikatesse – oder, bei einem Schiffbruch, ein paar Kokusnüsse, die man tauchend aus dem überschwemmten Laderaum rettet.

 

Was es für einen Kommandanten zu bedenken gibt, wenn es um die Versorgung seiner Mannschaft geht, und in welchen Größenordnungen gerechnet werden musste, zeigt der Forderungskatalog, den Hornblower einem karibischen Tyrannen präsentiert: frisches Wasser, zweihundert Rinder, fünfhundert Schweine, viereinhalb Tonnen Salz, vierzig Tonnen Hartbrot oder das gleiche Gewicht an Mehl, Saft von vierzigtausend Zitronen oder Orangen, zehn Tonnen Zucker, fünf Tonnen Tabak und eine Tonne Kaffee sowie zwanzig Tonnen Kartoffeln.  
 

Zweifelhafte Würste


Der junge Hornblower, auf dem Weg zu seinem ersten bedeutenden Einsatz bei Nelsons Begräbnis in London, muss sich noch mit zweifelhafteren Genüssen begnügen. Während der Reise in die Hauptstadt hat ihm seine erste Frau ein Abendessen besorgt: „ein wahrer Berg von Erbsenbrei und zwei Würste“. Beim Essen sinniert Hornblower: „Das Fleisch in den Würsten war gewiss vom Rind, hm, wenn es nicht doch von einem Hammel oder am Ende von einer Ziege oder einem Pferd stammte.“ Mittels Serviette lässt er die zweite Wurst, die er beim besten Willen nicht mehr aufessen mag, in der Rocktasche verschwinden, um sie später zu entsorgen. Die mitgebrachten Brote schmeckten ihm dann schon besser.

 

Das Forester-Menü

 

Ein Hornblower-Gedächtnis-Menü könnte so aussehen: Als Appetitanreger gibt es einen Orangen-Cocktail mit Wodka und karibischen Rum, gefolgt von einer Bratwurst mit Erbsenpüree als Vorspeise. Als Hauptgerichte werden gepökelte Ochsenzuge mit Bratkartoffeln und Rebhuhn mit Burgunder gereicht. Zum Abschluss kommt eine Tasse Kaffee auf den Tisch – und dazu gibt’s natürlich reichlich das „Lebenselixier der Flotte“ – Rum, bis der Klabautermann kommt. 

                                                                                                                                   Manfred Kellner

Gustav Freytag: Schwarzbrot und Fleisch in der Dachsfell-Tasche

 

Akribisch genau führt Gustav Freytag (1816 – 1995) seine Leser durch die Handelswelt seiner Tage („Soll und Haben“), nimmt sie mit in die Vergangenheit („Die Ahnen“) und auf mancherlei Streifzüge („Die verlorene Handschrift“). Doch wie steht es in diesem Werken mit der kulinarischen Komponente? Darum geht es in dieser „Litera-Tour“.

 

Im unserem Zeitalter der Süßstoffspender und des Würfelzuckers mutet die Mühe, die sich der Hausherr in „Soll und Haben“ mit einem Zuckerhut macht, fast schon archaisch an: „Gewöhnlichen Zucker ließ der Hausherr durch seine Frau klein schlagen, diesen Zuckerhut zerbrach er selbst mit vielem Kraftaufwand in einer feierlichen Handlung und freute sich über die viereckigen Würfel, welche seine Kunst hervorzubringen vermochte.“ Ähnlich ist es mit dem Kaffee: „Der Kaffee wurde von der Frau Kalkulatorin eigenhändig gebrannt“ – ebenfalls eine umständliche Prozedur.

 

Kiebitzeier oder trockenes Brot

 

Dennoch: Zu leben weiß man bei Freytag. Da heißt es etwa: „Er war zu Mittag geladen worden, er hatte Kiebitzeier gegessen, er hatte griechischen Wein aus den Kellern seines Freundes getrunken, einen Wein, gegen welchen der beste Wein im Gasthof zu Ostrau nichtswürdiger Essig war.“ An andere Stelle ist davon die Rede, dass in einem Haus „immer die teuersten Gänse gebraten werden, ja zuweilen sogar Truthühner.“ Und einem Kind werden „Mandeln und Rosinen“ als ganz besondere Leckerbissen gereicht. Doch natürlich gibt es auch Not, Elend und Geiz: „Im Finstern holte er ein Stück trockenes Brot aus der Tasche und schlief endlich unter dem Schnarchen seines Stubengenossen ein, den Strohsack unter sich, zugedeckt mit seiner alten Jacke.“

 

Gern getrunken: ein Grog

 

Getrunken wird bei Freytag Wein und Bier, Branntwein und Grog. Ein Büroangestellter in „Soll und Haben“ kündigt an: „Vor allem stimme ich dafür, dass wir ein Glas Grog machen, hole ein anderer für die Teetrinker den Kessel her, den Grog braue ich.“

 

Ein Geschäftsabschluss wird gefeiert – natürlich: „Dann setzten sich Käufer und Verkäufer, die Helfer, und wer sonst zu den Bekannten gehörte, in einer Weinhandlung am runden Tisch zusammen, man fing mit Porter an, aß Kaviar nach Pfunden und zechte dann den roten Wein von Bordeaux.“

 

Schlemmen mit den alten Germanen

 

In den germanischen Wäldern wichtig: die Gastfreundschaft. In einer „Tasche aus Dachsfell“ - so eine Szene in den „Ahnen“ - bewahrt ein Wächter sein „Schwarzbrot und Fleisch“ auf und in einem kleinen Horn Salz. Und dieses Salz wird dem Fremden zur Bekräftigung der Gastfreundschaft gereicht wird. Später tischt der Germanenhäuptling so richtig auf: Met, Hirsch und Eber, Geflügel, gewürztes Weizenbrot ...

 

Freytag schildert eine frühe deutsche Idylle: „Da saß ein kleiner rundlicher Mann, vor ihm stand auf schlechtem Holztisch ein Krug mit Bier, auf dem Herde kochte im Topfe ein Huhn, und eine kräftige Magd wirtschaftete mit dem Holzlöffel um den Stein.“ Jahrhunderte später, so die „Ahnen“, ist es kaum anders – nur dass das Huhn durch „Grützesuppe“ ersetzt wird und ein „reines Tischtuch“ dazu kommt.

 

Das Freytag-Menü

 

Ein Freytag-Menü könnte vielleicht so aussehen: Als Vorspeise gibt es Kiebitzeier mit Kaviar auf Schwarzbrot – vielleicht mit einem Gläschen griechischen Süßweines dazu. Anschließend folgt ein Teller Hühnersuppe. Der Hauptgang: eine „Germanenplatte“ mit Hirschfilet, Wildschweinbraten, Gänsekeulen und Truthahnbrust sowie Würzbrot und eine Kanne Bier dazu. Ein Mandelpudding mit Rosinen wird als Nachspeise gereicht. Und dann, als krönender Abschluss, kommt natürlich ein Grog – gesüßt mit Zuckerhut-Splittern.          

 

Manfred Kellner

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Fachwortstatt