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Umberto Eco: Adson und der Name der Soße

„Der Name der Rose“ von Umberto Eco ist ein vielschichtiger Roman, der als spannender Mittelalter-Krimi zu lesen ist, als Epochen-Porträt, als theologischer Disput, als philoso-phischer Essay, als Milieustudie oder eben auch als Quelle für so manche Beschreibung von Mahlzeiten und sogar Rezepten. Gehen wir also einmal mit dem fiktiven Erzähler des Buches, Adson von Melk, auf Litera-Tour!

 

Mahlzeit im Kloster

 

Gleich zu Beginn des Romans, Adson und sein Meister William von Baskerville haben gerade die Abtei erreicht, beschreibt der junge Mönch ein ganz normales Klosteressen: Zum Wein, der reichlich ausgeschenkt wird, gibt es Schweinebraten vom Spieß für alle und - speziell für den Abt - ein knuspriges Hähnchen, das er mit einer metallenen Gabel isst, um sich seine Hände nicht zu besudeln. Die Speisen, so bemerkt Adson verwundert, wurden weder mit tierischem Fett noch mit Rapsöl angemacht, sondern mit feinstem Olivenöl. Der Mönch greift offenbar kräftig zu, denn während der Reise zu dem Kloster haben die zwei Reisenden nicht besonders üppig gelebt. Am Morgen nach diesem Mahl zumindest, während in der Küche das Brot für den Tag gebacken wird, frühstückt Adson gerade einmal „einen Becher mit warmer Milch“.

 

Festmahl im Kloster

 

Ein viel üppigeres Festmahl wird im weiteren Verlauf der Handlung für eine besondere Besuchergruppe zubereitet. Adson zählt auf: „Gebratene Täubchen, durchtränkt mit dem Wein der Gegend, gespickter Hasenrücken, dazu Santa-Clara-Brötchen und Reis mit Mandeln, ferner Röstbrot mit Borretsch, gefüllte Oliven, überbackener Käse, Schaffleisch mit scharfer Paprikasoße, weiße Bohnen, anschließend köstliche Süßspeisen, Sankt-Bernhard-Kuchen, Sankt-Nikolaus-Plätzchen, Santa-Lucia-Äuglein, Weine und Kräuterliköre.“ Eigentlich ein wahres Schlemmergelage, so meint Adson, „wären nicht jeder Schluck und jeder Happen von frommer Lesung begleitet gewesen“. Doch so ganz nebenbei wollte der Abt seine Besucher mit dieser umfangreichen Bewirtung gnädig stimmen und ihre Laune heben – doch dieses Bemühen erweist sich schon bald als vergebens.

 

Rezept des Kloster-Faktotums

 

Immer wieder spielen Mahlzeiten und Getränke eine Rolle in dem Buch. Selbst das Faktotum Salvatore mit seiner kruden, aus vielen Quellen zusammengemischten Sprache (die für das folgende Rezept „übersetzt“ wurde) entpuppt sich als Kochkünstler. Adson nämlich möchte seinem Meister etwas zu essen bringen und Salvatore erklärt sofort: „Das ist kein Problem! Das mache ich. Ich mache einen Kaasschmarrn.“ Und dann folgt die Anweisung: „Nimm einen Kaas, nich zu alt, nich zu weich, mach klein Stückl - Würfel oder wie du willst. Dann stell auf Feuer ein Topf mit ein bisschen Butter oder frischem Schmalz und erwärme alles mäßig über der Glut. Und dann geht’s los, rein mit dem Kaas. Wenn er dir scheint zerlaufen, ein bisschen Zucker und Zimt darüber. Fertisch. Dann schnell auf den Tisch damit, weil man ihn heiß essen muss, heiß, heiß!“ Ob Eco hier Salvatore tatsächlich alle Zutaten hat nennen lassen, sei dahingestellt – auf jeden Fall aber scheint so ein Kaasschmarrn eine recht trockene Angelegenheit zu sein, zu dem eine Soße passen würde, doch der Name der Soße wird nicht genannt.

 

Das Eco-Menü

 

Ein mönchisches Klostermenü á la Eco könnte so aussehen: Als Vorspeise gibt es knusprig gebratenes Hühnerfleisch mit frischem Kräuterbrot. Den Hauptgang bildet ein Spießbraten vom Schwein mit einem Kaasschmarrn und Reis dazu. Zum Dessert kommt süßes Gebäck auf den Tisch. Und dazu trinkt man natürlich reichlich Wein – und zum Abschluss einen Kräuterlikör.
                                                                                                                                     Manfred Kellner   

 


Picknick mit Eichendorff


Vor gut anderthalb Jahrhunderten starb der Dichter Joseph von Eichendorf – ein bedeutender Lyriker und Prosaautor der deutschen Romantik. Zu seinen bekannteren Werken gehören „Aus dem Leben eines Taugenichts“ und „Das Marmorbild“. Schauen wir doch einmal, wohin uns die „Litera-Tour“ bei Eichendorff führt.


Im „Gasthof zum Goldenen Zeitgeist“
 

Höchst satirisch gemeint ist ein Besuch Eichendorffs in dem „bekannten, großen Gasthofe ‚Zum goldenen Zeit-geist'“ in seiner Phantasie „Auch ich war in Arkadien“. Hier trifft er so manche Gestalt, an der er in kabarettistischer Manier Zeitkritisches festmachen kann – und gibt dabei zugleich den einen oder anderen kulinarischen Hinweis. Da ist etwa ein Professor, der „mit einem gewissen martialischen Anstande den Braten“ zerlegt – ohne seinen Vortrag über Freiheit und Toleranz zu unterbrechen. „Dabei“, so heißt es weiter, “langte er über den langen Tisch weg bald nach dem Salzfass, bald nach der Pfefferbüchse, und schnitt und trank und sprach und kaute mit solchem Nachdruck, dass er ganz rotblau im Gesichte wurde.“ Die anderen Gäste hätten wohl auch gern etwas vom Fleisch abbekommen, doch als einer von ihnen auf diesen Umstand hinwies, wurde er flugs hinausgeschmissen.


Der Professor aber referiert weiter und empört sich über das Volk, das von „Freiheit und Prinzipien“ nichts wissen wollen, sondern „nach Braten und Likör“ schreie. Doch in diesem Gasthauses gibt es fürs Volk keine Braten, sondern Brei – immerhin: umgerührt mit dem Zepter des Landesvaters.
 

Fische und Geflügel im Feldkessel
 

Einen Festschmaus bereiten sich die Protagonisten aus „Libertas und ihre Freier“ zu – Geflügel und Fisch, zwar auf ungewöhnliche Weise gefangen, doch dann bestens zubereitet: Aus dem Rucksack werden „Feldkessel, Bratspieß, Messer und Gabeln“ hervorgeholt, ein Feuer entzündet – „und eh' es noch dunkel wurde, saßen beide Wanderer um die lustige Flamme gelagert und schmausten in freudereichem Schalle“. Auf dem Speiseplan: wilde Auerhühner, Birkhähne und Fasane, Hechte und Karpfen.


Braten und Butterschnitten beim „Taugenichts“
 

Ums Essen und Trinken geht es beim „Taugenichts“ immer wieder. Immerhin schickt ihn sein Vater ja in die weite Welt, damit er sich dort sein Brot selbst verdienen könne. Und so tauchen kulinarische Motive immer wieder auf: Von „Braten und Butterschnitten“ ist da die Rede, von einem „Futteral mit mehreren Weinflaschen“ oder von einem „silbernen, innerlich vergoldeten Becher“. Auch eine Art Picknick wird geschildert. Die Reisegefährten „holten von ihren Pferden Kuchen, Braten und Weinflaschen, breiteten eine schöne bunte Decke auf dem grünen Rasen aus, streckten sich darüber hin und schmausten sehr vergnüglich“.
 

Nach einer Nacht im Wald wärmt sich der „Taugenichts“ an einem Milchkaffee: „Das Feuer loderte nun recht lustig im Walde, der Morgen war frisch, wir setzten uns alle ringsumher auf den Rasen, und zwei von den Musikanten nahmen ein Töpfchen, worin Kaffee und auch schon Milch war, vom Feuer, holten Brot aus ihren Manteltaschen hervor und tunkten und tranken abwechselnd aus dem Topfe, und es schmeckte ihnen so gut, dass es ordentlich eine Lust war anzusehen. Ein anderer Musiker aber lehnt „das schwarze Gesöff“ ab und greift lieber zu einer Flasche Wein.


Das Eichendorff-Menü
 

Ein Eichendorff-Menü könnte sich so zusammensetzen: Als Vorspeise reiche man Brot und Butter nach Art des Taugenichts, als Zwischengänge eine gemischte Geflügelplatte, als Hauptgang einen Braten á la Zeitgeist und zum Abschluss des Mahles Kaffee, Kuchen und Likör.
                                                                                                                                               Manfred Kellner

 

 

 

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