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James Fenimore Cooper: Lederstrumpf kocht am Lagerfeuer

Die besten Stücke von Rehen und Hirschen, die sie gerade eben selbst erlegt haben, brutzeln in den Lagerfeuerflammen der Waldläufer in James Fenimore Coopers (1789 –1851) großem Romanzyklus „Lederstrumpf“ – und auch bei den Soldaten und den Ansiedlern wird gern einmal gut aufgetischt. Gehen wir also einmal mit Cooper auf Litera-Tour in den Wilden Westen Amerikas.  

 

„Dieser mein Magen ist ein guter Zeitmesser - und er weist schon auf halb ein Uhr. So öffnet denn den Quersack, damit wir uns wieder aufziehen, um weitere sechs Stunden zu gehen“, erinnert der Waldläufer Harry March seinen Gefährten Nathaniel (Natty) Bumppo im „Wildtöter“. Beide machen sich über das kalte Fleisch eines „Damtiers“ her: „Kommt, Wildtöter, haut ein, und beweist, dass Ihr einen Delawaren-Magen habt, wie Ihr nach Eurer Behauptung eine Delawaren-Erziehung gehabt!“ fordert March, der selbst seinen Mund aufriss, um ein Stück kalten Wildbrets aufzunehmen, „das für einen europäischen Bauern eine ganze Mahlzeit gewesen wäre“.

 

Zarte Bande bei Tisch

Immer wieder künden sich bei Tisch kleine Romanzen an: „March bemerkte mit einiger Überraschung, dass Judith Wildtöter die leckersten Bissen vorlegte, und dass sie durch die kleinen, namenlosen Aufmerksamkeiten, welche sie zu erweisen wohl verstand, ganz deutlich zu erkennen zu geben die Absicht hatte, dass sie ihn als den vorzugsweise geehrten Gast betrachtete.“ Ähnlich erging es Cora im „Letzten Mohikaner“, die der junge Indianerhäuptling Uncas bei einer Rast bedient: „Die Dienste des jungen Häuptlings waren nicht ganz unparteiisch; während er Alice die Kürbisflasche mit süßem Wasser reichte, das Wildbret auf einem aus der Wurzel des Pfefferbaums niedlich geschnitzten Teller darbot, verweilte sein dunkles Auge auf Coras ausdrucksvollen Gesichtszügen.“ Und auch im „Pfadfinder“ entwickeln sich zarte Bande beim Essen: „Jasper Western achtete sorgsam auf Mabels Bedürfnisse, und lange dachte sie an des jungen Seemanns zarte und männliche Aufmerksamkeit, die er ihr bei Gelegenheit dieses ersten Zusammentreffens bewiesen hatte.“

 

Indianer ohne Kenntnis der Kochkunst

Die Indianer machen sich bei Cooper gewöhnlich nicht so viel Mühe mit der Essenszubereitung: „Einer der Indianer hatte Gelegenheit gefunden, ein Hirschkalb mit einem Pfeile zu erlegen, und die vorzüglicheren Teile des Tieres geduldig auf den Schultern nach dem Ruheplatz getragen“, heißt es im „Mohikaner“. „Ohne Hilfe und Kenntnis der Kochkunst schickte er sich sogleich mit seinen Genossen an, diese schwerverdauliche Speise hinunterzuschlingen.“ Immerhin werden die Indianer im „Pfadfinder“ für ihre Zufriedenheit mit dem, was sie haben, gelobt: „Eine Rothaut ist nie unzufrieden, sondern immer dankbar für die Nahrung, welche sie findet, mag sie nun fett oder mager, Hochwild oder Bär, die Brust eines wilden Puters oder der Flügel einer Wildgans sein.“ Zufrieden war auch der französische Offizier Sanglier, der sich im Trubel der Gefangenschaft selbst eine Suppe kocht und sie dann „mit einer Gleichgültigkeit, um welche ihn der stoischste indianische Krieger hätte beneiden können“, aß.

 

Üppige Tafel im Fort und bei den Ansiedlern

Schnelle und einfache Mahlzeiten gibt es also in den Urwäldern Amerikas, doch die englischen Truppen in den Forts leben nicht so frugal – zumindest nicht die Offiziere, wie aus dem „Pfadfinder“ hervorgeht: „Die Tafel des Sergeanten Dunham trug das Gepräge des Überflusses und des Luxus der Grenze wie ihrer Entbehrungen. Ein köstlich gebratener Salm dampfte auf einer unzierlichen Platte, heiße Wildbretstückchen sandten ihre einladenden Düfte aus, und verschiedene Schüsseln kalter Speisen wurden den Gästen vorgesetzt.“ Das Weihnachtsessen im Hause des Richters in den „Ansiedlern“ wird noch detaillierter beschreiben: ein gebratener und eingekochter Truthahn, ein Frikassee von grauen Eichhörnchen, gebackener Fisch, Fisch in Soße, Dam- und Schwarzwild, eine Schöpsenkeule, alle Arten von Gemüse, die das Land und die Jahreszeit boten, dazu Kuchen und eine Pastete mit Äpfelschnitzchen, Fleischschnitten, Puddingmasse, Brombeeren und Eierrahm. Auf den noch freien Stellen des Tisches waren Branntwein-, Rum-, Wacholder- und Weinflaschen gestellt, sowie einige Krügen mit Zider und eine Bowle mit dem dampfenden Nass des „Flip“. Der gealterte, nach wie vor bescheidene Natty hatte schon zuvor „Fasan oder Rebhuhn als einen ganz leckeren Weihnachtsbraten für einen alten Mann“ bezeichnet.

 

Nichts geht über Bisonrücken

In der „Prärie“ betont der greise Lederstrumpf dann konsequent: „Ich gehöre nicht zu denen, die sich mit den Zähnen das Grab schaufeln!“ Er isst lieber Bisonrücken, von dem es heißt: „Was Reichlichkeit, Zartheit, Lieblichkeit des Geruchs und nährende Kraft betraf, konnte das Fleisch wohl einen entschiedenen Vorzug über die Lohnkocherei und gekünstelten Compots des berühmtesten Restaurateurs behaupten.“

 

Das Cooper-Menü

Bei einem Cooper-Menü sollte man als Vorspeise ein Carpaccio vom Hirschkalb servieren. Die Suppe könnte eine Fleischboullion à la Kapitän Sanglier sein. Das Hauptgericht ist entweder ein Wildgulasch von Hirsch, Reh und Wildschwein, ein großer, gebratener Puter oder natürlich ein gut zubereiteter Bisonrücken. Als Nachspeise gibt es Kuchen nach Art der Ansiedler. Und dazu wird Wein getrunken – oder klares Quellwasser.  

 

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