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1001 Nacht: Mit Schehersâd an goldenen Tellern und silbernen Bechern

Wundersame Geschichten finden sich in den „Erzählungen der Schehersâd aus den tausendundein Nächten“ – Grund genug, in dieser orientalischen Sammlung auf Litera-Tour zu gehen.

 

Essen und trinken ist für die Erzählerin Schehersâd offenbar etwas ganz Gewöhnliches, denn nur selten geht sie in ihren Geschichten näher auf Speisefolgen oder gar Zubereitungsarten ein. „Da machen sie ein Mahl aus allerlei Gerichten zurecht“ heißt es da beispielsweise etwas lakonisch, oder: „Es wurde das Mahl serviert, sie saßen und aßen.“ Immerhin: Wenn es um Wundersames geht, wird die Erzählerin genauer. So schildert sie in der „Geschichte des Fischers“ geradezu akribisch, wie ein paar Fische für die Pfanne zurecht gemacht und dann gebraten zu werden – doch als dann die Fische anfangen, zu sprechen, verfolgt sie die Mahlzeit nicht weiter.

 

Alâ ed-Din und die Silberschüssel

 

Fasziniert ist Schehersâd eher vom prunkvollen Geschirr. Das fängt schon in der Geschichte von Ala ed-Din und der Wunderlampe an: Sein vermeintlicher Onkel führt den Jungen durch die Stadt, „bis er ihn in den Laden eines Kochs nahm, der ihnen das Essen in silbernen Schüssel auftrug, woraus sie das Mahl einnahmen und aßen und tranken, bis sie genug hatten.“

 

Später lässt sich Alâ ed-Din von sei-nem Lampengeist eine Mahlzeit bringen – und wieder berichtet die Erzählerin von dem prächtigen Geschirr: „Da verschwand der Geist auf eine Augenblick und brachte ihm eine prächtige, wertvolle Platte aus reinstem Silber, auf der zwölf goldenen Teller mit allerlei köstlichen Gerichten standen nebst zwei silbernen Bechern, zwei schwarzen Flaschen voll von geklärtem alten Wein und Brot, weißer als Schnee.“ Immerhin: „allerlei köstliche Gerichte“ waren auch dabei.

 

Kein Wunder, dass auch der neu errichtete Palast Alâ ed-Dins beschrieben wird: „Alle Steine waren aus Jaspis und weißem und porphyrartigem Marmor und Mosaik“, die Schatzkammer „voll von allerlei Gold und Silber und kostbaren Juwelen“, das Tischzubehör wie Schüsseln, Löffel, Becher und Becken aus Gold und Silber - und der Clou: alle Küchengeräte bestanden ebenfalls „aus Gold oder Silber“.

 

Hammelfleisch und alter Wein


Obwohl der Weingenuss auch in „Tausendundeiner Nacht“ umstritten ist, finden sich immer wieder Hinweise darauf. In einem kleinen Gedicht wirbt ein Gastgeber: „Geht zu keinem denn zu mir, / mein Haus ist die Grube der köstlichsten Dinge; / ich habe alten feurigen Wein, / gekeltert von einem der Klostermönche, / Hammelfleisch gibt es auch / und jede Art von Geflügel; / kommt zu Tisch und zecht, / trinkt den sorgenbrechenden alten Wein.“

 

Die Sklavin Tawaddud in der gleichnamigen Geschichte erteilt dagegen dem Weingenuss mit Hinweis auf den Koran eine herbe Abfuhr. Dafür lobt sie: „Die prächtigsten Speisen sind Brotsuppen, wie denn auch der Prophet sagt: ‚Brotsuppe übertrifft alle anderen Gerichte wie A’ische alle anderen Frauen.’“ Als vortrefflichstes Essen lobt die kluge Sklavin das Fleisch, und das beste Fleisch sei das Hammelfleisch.

 

Bienenhonig oder Zuckerhonig?
 

Manchmal wird bei Schehersâd auch ein Gericht auch Ausgangspunkt für eine turbulente Geschichte. So macht sich etwa der arme Schuhflicker Ma’rûf auf seine abenteuerliche Reise, weil ihn seine böse Frau verklagt, ihr nicht die richtige Art von Süßgebäck, Kanafe, gebracht zu haben. Sie wollte sie mit Bienenhonig, er aber hatte nur Geld für Zuckerhonig. Nach manchen Hin und Her gelangt Ma’rûf zu Vermögen und Macht – genießt aber trotzdem das einfache Linsengericht, das ihm ein armer Bauer vorsetzt.

 

Das 1001-Nacht-Menü

Gar nicht so einfach, hier eine Menüfolge à la Schehersâd zu erfinden: Den Beginn macht eine feine Brotsuppe, als Hauptgericht gibt es natürlich Hammelfleisch nach Art der Ta-waddud – am besten mit Linsen Ma’rûf und weißem Alâ-ed-Din-Brot. Und als Dessert wird Kanafe serviert – selbstverständlich mit Bienenhonig.

Manfred Kellner

 

 

 

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